Ich wollte mal eure Meinung zum Thema "Mietpreisbremse" erfragen. Ist das ein wichtiges oder schlechtes, illegales gesetzliches Instrument und wen schützt es? In Berlin wurde sie ja auf Grund einer Klage für verfassungswidrig erklärt. Ich glaube aber, dass es ohne diese staatliche Reglementierung dazu kommen wird, dass sich irgendwann kein Geringverdiener mehr eine Wohnung leisten können wird... Wie seht ihr das?
@Laber Gesetzlich erlassene Mietpreisobergrenzen gibt es in der freien Marktwirtschaft nur in Krisenzeiten. Sonst bestimmt der Preis das Angebot und die Nachfrage. Aber im heutigen Sozialsystem gibt es bei begründetem Bedarf, geringem Einkommen u.a. staatliche Zuschüsse. Anders verhält es sich, wenn Staat, Land oder Gemeinden selbst Sozialwohnungen bauen oder besitzen und dann zur Verfügung stellen, was aber nicht mehr oft vorkommt.
Können die Wohnungen von privaten Bauherrn nicht mehr kostendeckend vermietet werden, dann sinkt das Interesse an Wohnungsneubauten für Gesellschaften, da leere Wohnungen keine Verzinsung des investierten Kapitals erbringen. Damit entsteht ein weiterer, ungesunder Kreislauf, denn knappe Verfügbarkeiten von leeren Wohnungen treiben auch die Mieten nach oben. Damit wird erst recht allen geschadet.
Vielfach beginnt das Problem schon bei den enormen Grundstückspreisen, welche jeden Neubau enorm belasten. Daher gibt es nun auch Bestrebungen, "nach oben" anstatt in die Breite zu bauen.
Ich weiß, solche Ausführungen sind für verzweifelte Wohnungssucher unverständlich, aber leider hat man noch keine Ideallösung gefunden. Auch im ursprünglichen Altkommunismus wollte man die Grundbedürfnisse der Menschen, wie Brot, Wohnraum und Transport den Bürgern vom Staat kostenlos garantieren, in der Praxis waren aber solche Ziele nicht durchführbar.
@Gerhard: Danke für deine Gedanken. Die hohen Grundstückspreise, die du ansprichst, sehe ich auch kritisch. AUßerdem wollen sich die meisten Familien nicht an einen Ort binden und möglichst flexibel sein. Da sehe ich auch einen Grund in der Tendenz "nach oben", die du angesprochen hast. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, wo er in 5 Jahren sein wird? Da will man sich doch nicht festlegen. Ich hatte in diesem Artikel von der Verfassungswidrigkeit gelesen und fand es interessant, was das Urteil für Auswirkungen auf die Mitepreisbremse-Debatte in überregionalem Kontext für Auswirkungen haben könnte. Mich würde interessieren, was du zu folgendem Zitat denkst:
"Letztlich ist es bei Gericht stets eine Frage, was "gewichtiger" ist. In diesem Fall die gleiche Behandlung aller Menschen per Grundgesetz, oder ein strittiges Gesetz, dass die Fehler der politischen Vergangenheit ausbügeln und die Vertragsfreiheit beschneiden soll." (Quelle: https://www.hausverwalterscout.de/Magazi...ungswidrig-1309 )
@Laber Das Grundgesetz mit den Rechten und Pflichten der Bürger ist gut in einer Gesellschaft in Friedenszeiten. Aber es kann in manchen Bereichen nicht auf die Privatwirtschaft angewandt werden, wo das unternehmerische Risiko allein beim Eigentümer liegt. Daher kann ein Bauherr bzw. Hausbesitzer auch nicht verpflichtet werden, Wohnungen nur zu einem gedeckelten Preis zu vermieten. Man könnte aber solche Angebote gemeinsam boykottieren, vielleicht hilft dies dann, die Mieten herunterzuschrauben? Würde der Staat dies machen, dann wird auf Privatinitiative nichts mehr gebaut und die bestehende Häuser langsam verfallen – siehe den ehem. „Arbeiter- und Bauernstaat DDR“.
Wie schon einmal erwähnt, gibt es in unseren mitteleuropäischen Ländern gute Sozialsysteme, welche aber für manche Bedürftige doch nicht „greifen“. In der Schweiz muss man z.B. bekommene Sozialgelder später – wenn man wieder gut verdient – (ggfs. mittels Monatsraten) zurückzahlen. Dies kann schon in die Hunderttausende gehen. Kurios fand ich es in den USA, als eine bedürftige und alleinstehende Mutter viele Kilometer mit dem eigenen PKW zum Sozialamt fuhr und um eine Unterstützung ansuchte. Die Antwort des Beamten: „Solange sie einen eigenen PKW und eine Wohnung haben, sind sie nicht bedürftig“. Andere Länder, eben andere Sitten.
Persönlich würde ich Dir beim Wohnungsbedarf in Berlin empfehlen, eine kleinere und nicht komfortable Wohnung eventuell in einer etwas entlegenen Gegend zu suchen. Dabei muss man halt die Qualitätsnachteile und ggfs. längeren Transportwege in Kauf nehmen. Kompromisse und Zugeständnisse sind immer möglich.